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Brief an den Theologen, Pastoren und Journalisten Dr .William Yoder, der mit seiner Frau Galina in unserer Propstei FernOst vom 29.April bis zum 1.Juni 2018 arbeitete, vor allem in der Johannesgemeinde Chabaroffsk

----- Original Message -----
From: "GMX"
To: "William Yoder"
Sent: Thursday, June 07, 2018 7:25 PM
Subject: Re: Text zur Veröffentlichung

, William. Wladiwostok, 7.6.18
Lieber William!

So, jetzt antworte ich Dir richtig. Zunaechst habe ich Dir fuer zweierlei zu danken 1) Dass Du bis heute auf meine Reaktion gewartet hast, und 2) ganz besonders dafuer, dass Du alles so selbststaendig gemacht hast, auch im Finanziellen!

-- Ich hahe ueber Deinen Bericht lange nachgedacht. Er ist sehr engagiert, und Du hast ja die ganz besonderen Probleme unseres fernen(!) Fernen Ostens gut kennengelernt u verstanden. Trotzdem muss ich natuerlich dazu meine Fragen u Bemerkungen machen, und Du hattest ja mit mir verabredet, die bei einer Veroeffentlichung zu beruecksich- tigen

- Hast Du unsere Klage " Geld aus dem Westen ergattern und den Osten vergessen" immer im Kopf gehabt? Musst Du ja nicht so schreiben, aber es muss doch deutlich werden, dass wir im Fernen Osten von unserer Kirche, immer wieder vernachlaessigt werden.

-- Deshalb sollte unbedingt gesagt u betont werden, dass gerade diese beiden Gemeinden, in denen Du warst, Chabaroffsk und Komsomolsk seit nun 16 JAhren, dem Weggang des verdienten Pastoren Markus Lesinski im Jahre 2002, ohne Pastoren sind, und dass es geradezu ein Wunder ist, dass sie noch leben ( so die Worte von Markus Lesinski). ---Es sollte erwaehnt werden, dass da zweimal ein Pastor in Sicht war, dass aber der erste aus kirchenstrategischen Umstaenden nach Tomsk geschickt wurde ( wofuer sich der grosse Bischof Otto Schaude noch bei mir entschuldigte); u dieser Pastor, Witalij Moor, der bei uns Vikar war, wollte gerne zu uns. - Und dass der zweite Pastor, der in Frage kam, , nach Deutschland verschwand, mit Hilfe der Hermannsburger Mission; welch eine Schande fuer dieses einst so grosse Missionswerk! -- Dies Missionswerk soll auch in Gestalt von P Helmut Grimmsmann gesagt haben: "Chabaroffsk u Komsomolsk unterstuetzen wir nicht, denn das sind ja sterbende Gemeinden..." Gerade deswegen sollte da ein Pastor hin zu diesen tapferen Leuten, die Du ja selbst kennengelernt hast!

--- -- Dass Du Pastor Merkus Lesinski gelobt hast, ist sehr gut u richtig; er ist das wert!

---- Unsere Pauluskirche Wladiwostok solltest Du ruhig mehr loben. Es stimmt nicht, dass heute nur 25 bis 30 Personen die sonntaeglichen Gottesdienste besuchen; das war so in dem Gottesdienst, als Du hier warst. Am Sonntag Exaudi,14.Mai,dagegen waren es ueber 40.

Aber : Quantitaet ist nicht Qualitaet.

Die Qualitatet unserer Pauluskirche kannst Du daran sehen, dass sie, wie Du ja gut schreibst, immer offen ist, dass in sie hinein immer wieder Menschen gehen, weil sie einfach schoen ist u zur Besinnung in dieser lauten Welt einlaedt. Da gehen auch Menschen hinein, die mit Kirche gar nichts "am Hut haben"; und so kann man geradezu sagen, dass unsere Pauluskirche schon als Bauwerk und in ihrer zentralen Lage ein missionarischer Faktor ist. Und da treffen sich Gruppen ganz frei: ein Seniorenchor, die Anonymen Alkoholiker, die Anonymen Emotionalen, da gibt es eine Tanzgruppe, da spielt 'mal eine Kindergruppe, da besteht jetzt eine neue Bibelgruppe, die Bibeln in verschiedenen Sprachen studiert, da singt unser kleiner Chor, dessen Leiterin Swetlana auch ohne Geldbezahlung arbeitet(!), da lassen sich Hochzeitsgruppen photographieren, wir vermieten auch an Trauungen anderer Gemeinden-- Ueberall ein lockeres Lebent, aber eben in der Kirche!-

---- Und dann unsere Musik! So manche der Organisten aus dem Ausland, die bei uns spielen, sagen, sie haetten noch nie eine so volle Kirche gesehen! Und da sind wir wieder bei den Zahlen: a) 40 Gottesdienstbesucher b) 100 Mitglieder , aber c)vielleicht 3.000 4.000 Freunde... wer weiss denn, wie Gott wirkt ?( Roemer 11,33ff).

------- Und Du solltest nicht "Konzerte" schreiben. Das klingt zu kommerziell und ist darin falsch bis gefaehrlich. Das sind geistliche Abendmusiken" und als solche auch von den Menschen verstanden und angenommen , fast wie einen Gottesdienst. Musik ist den Menschen hier Trost in ihrem schweren Leben! Der schoenste Lohn sind mir immer die so dankbaren Gesichter der Leute, wenn sie nach der Abendmusik unsere Kirche verlassen.

--- Jetzt noch zu den Leuten, die Du interviewt hast. Konstantin, Viktor Baranoff, Nina Dmitrijewa: ok u gut dargestellt. Aber hast Du nicht auch mit Edik gesprochen? Und dann vor allem der Organist Stepan. Mensch, der spielt bei uns, ganz ohne Geld zu nehmen!! Jeden Gottesdienst. Das ist eine grosse Seltenheit in Rssld u zeigt, wie Menschen hier bei unserer Kirche stehen ! Auch ueber Swetlana hast Du gut berichtet. Aber Du solltest auch schreiben, dass die dies Jahr wieder ein Kinderlager macht.

----- Nun noch zu "...den Osten vergessen" . Wir sind nicht "Wladiwo-an der Welt Popo"(mein kleiner Reim) . Wir sind ein NEUES ZENTRUM, was der Westen eben nicht versteht, ein anderes Zentrum als Omsk, Moskau, St Petersburg. Das betonst Du ja auch so richtig: China "Reich der Mitte". Das ist unser Nachbar, zu dem unsere Pauluskirche seit Jahrzehnten ein nahes Verhaeltnis hat. In China gehen kirchlich gesehen tolle Dinge vor sich, die chinesische Christenheit waechst besorgniserregend fuer die dortige Regierung und vielleicht erleben wir in China noch eine "konstantinische Wende".... Da sind wir in Wladiwostok naeher dran als die da im Westen. Am Pfingstfest 2018 feierten Christen der chinesichen "Drei-Selbst-Kirche" aus der uns nahen Grenzstadt Su-Fun-Che in unserer Pauluskirche ihren Gottesdienst! ( s unsere Webseite www.luthvostok.com )

--- Auch zu mir hast Du gutes geschrieben: "... Ueberschreiten von Grenzen, das Aufbrechen in in fremdes Land". Vielleicht koenntest Du noch schreiben, dass ich Dir gesagt habe, dass ich mich fast mehr augustinisch als lutherisch fuehle "Fecisti nos ad Te, et cor nostrum inquietum est, donec requiscat in Te" = "Du hast uns zu Dir hingeschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in Dir". So bin ich ja auch dem oekumenischen Kloster Taize in Frankreich sehr nah, dessen Liturgie wir hier in unseren Gottesdiensten singen. Und folgende Liturgie ist uns da besonders wichtig und hat auch unseren Konstantin angezogen und ueberzeugt, als er vor 25 JAhren zu uns kam "Wir machen uns auf die Reise, um die Quelle zu finden, ist der Durst unser einziges Licht, ist nur der Durst unser Licht" . Auf Russisch noch staerker " , , "

Soweit, lieber William. Du bist schon ein interessanter Kerl und kluger Christ. Ich gruesse Dich mit der heutigen Bibellese, die mich sehr anruehrt, eine dieser tollen Geschichten mit dem auferstandenen Christus, Johannes 21,15-19 Der Auferstandene sagt zu Petrus "..Da du juenger warst, guertestet du dich selbst und wandeltest wohin du wolltest, wenn du aber alt wirst, wirst du deine Haende ausstrecken, und ein anderer wird dich guerten und fuehren, wohin du nicht willst". Und fuehren, wohin du nicht willst , das ist auch der Titel des Buches von Helmut Gollwitzer ueber seine russische Kriegsgefangenschaft. Ja, manchmal fuehl ich mich auch wie ein Gefangener in Russland, aber eben mit meinem Einverstaendnis .

Herzlich - Dein und Euer Manfred

Wladiwo, 17.6.18

Lieber William!

So, jetzt ist der Gottesdienst mit der danach vorbei, und ich kann Dir, bevor in 2 Stdd unser Kirchenkonzert beginnt, noch einmal schreiben. Du sollst gar nicht Omsk "in die Pfanne hauen", im Gegenteil: Du kannst es nur loben, in der Hinsicht,dass sich sein damaliger grosser Bischof Otto Schaude bei dem Propst des FenenOstens dafuer entschuldigte, dass das Konsistorium den Kandidaten fuer Chabaroffsk/Komsomolsk nach Tomsk schickte. Aber das wiederholte Missgeschick einer Pastorisierung in Chabaroffsk/Komsomolsk, Deiner beiden Gemeinden bei uns, solltest Du unbedingt schildern ! Und es missglueckte nicht nur 2mal, sondern 3mal.

Also ich schlage Dir folgenden Text vor:

Die Entsenduing eines Pastoren in die Gemeinden Chabaroffsk/Komsomolsk ist nach dem Weggang von Pastor M Lesisnki im JAhre 2002 3mal missglueckt: der erste Kandidat, ein pensionieter Pastor aus Deutschland, Hartmut Lippold, musste wegen einer ploetzlich auftretenden Herzkrankheit absagen. Der zweite Kandidat, Witalij Moor, der nach Fern Ost wollte, musste vom Omsker Konsistorium aus kirchenstrategischen Gruenden nach Tomsk geschickt werden, wofuer der damalige Bischof in Omsk, Otto Schaude, Propst Brockmann um Verstaendnis und Entschuldigung bat. Der dritte , von Omsk in Aussicht gestelle Kandidat, Andrej Filipzoff, verschwand mit Hilfe der Hermannsburger Mission nach Deutschland. Dass die Gemeinde Chabaroffsk trotzdem noch lebt, hat man ausser ihren tapferen Mitgliedern auch ihrem ehemaligen Pastoren MArkus Lesinski zu verdanken, der seine alte Gemeinde jedes JAhr besucht, um mit ihr die "Deutsch-russischen Kulturtage" zu veranstalten und sich um sie zu kuemmern.

William, es ist und bleibt natuerlich DEIN Artikel, aber ich finde es schon hoehst wichtig, dass Du dies Missgeschick der Gemeinden Chabaroffsk/Komsomolsk darstellst, denn dahin bist Du doch gegangen.--

Herzlichen Gruss aus dem fernen Fernen Osten - Dein Manfred